Auffällige Gemeinsamkeiten bei Osteopathie und CranioSacrale Therapie

Als wir vor Jahren beschlossen, unseren Kursteilnehmern, neben der CranioSacralen Therapie, eine Osteopathie-Ausbildung anzubieten wurde uns klar, dass wir dies nur dann tun konnten, wenn die Hintergründe der beiden Therapiemethoden prinzipiell kongruent wären. Auf der Suche nach Unterschiede und Gemeinsamkeiten kamen wir zu bemerkenswerten Erkenntnissen.

Einige Unterschiede

Oberflächlich betrachtet scheint die „moderne“ Osteopathie und die von Upledger entwickelte CranioSacrale Therapie nur wenig gemeinsam zu haben. Beide Therapieformen berühren zwar Menschen, die CranioSacrale Therapie hat jedoch den „Ruf“ esoterischer Humbug zu sein, nicht „wissenschaftlich“ und sicherlich nicht „anerkannt“ zu sein. Dazu kommt, dass Upledger seine Methode aus der Osteopathie heraus löste und anfänglich den therapeutischen Laien zur Verfügung stellte, was in den osteopathischen Kreisen zu einem Raunen und Abwenden führte. Aber sind die Methoden wirklich so unterschiedlich? Natürlich kann man damit argumentieren, dass die Ausbildungsdauer nicht zu vergleichen ist – was sind schon 7 Wochen im Vergleich zu fünf bis sechs Jahren! Natürlich befasst sich die CranioSacrale Therapie nicht spezifisch mit allen Geweben des Körpers, so wie die „reguläre“ Osteopathie das tut… Aber … sind die Methoden wirklich so unterschiedlich?

Osteopathie…

Wenn ich die Osteopathie in ihrem Kern betrachte, dann beinhaltet sie, dass über manuelle Behandlungen, Behinderungen der Flüssigkeitsströme beseitigt oder verringert werden, wodurch die natürlich-physiologischen, extra- und intrazellulären Prozesse wieder verbessert werden können, damit diese den Patienten in Richtung Gesundheit führen. Mehr macht der „Osteopath“ nicht am Patienten. Er vertraut darauf, dass er mittels (feinster) Palpation die Behinderungen der Flüsse wahrnehmen und möglichst beseitigen kann, und dass die Natur die eigentliche Heilung vollziehen wird. Gegebenenfalls benötigt es noch eine Anpassung des Patienten im Alltag, damit er sich „natürlich“ verhält – gesunde Nahrung, sauberes Wasser, sauber Luft, wenig oder keine Genussmittel usw.

CranioSacrale Therapie…

Und die Upledger CranioSacrale Therapie? Obwohl es für Upledger wichtig war, seine Methode nicht als Osteopathie zu betrachten, sind die Übereinstimmungen der Hintergründe frappierend. Upledger geht davon aus, dass die Behebung mechanisch-energetische Behinderungen innerhalb faszialer Strukturen zu einer Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Nerven- und Hormonsystems führt. Dies wiederum verbessert dann die Kommunikationsfähigkeit innerhalb des Körpers, was zur Gesundheit führen würde. Nicht der Behandler kann diese Veränderung bewirken, nur die natürlichen inhärenten Kräfte und die damit in Verbindung stehende Körperweisheit verfügen über diese Macht. Der Therapeut sieht sich als „Assistent“ dieser Kräfte und stellt sich zur Verfügung. Die Verbesserung der erhobenen Befunde wird über die Fühlbarkeit körpereigener Rhythmen beurteilt und mit Hilfe der Verbesserung von Fließeigenschaften, durch Abnahme von Spannungen, erklärt. Sollten Alltagsanpassungen notwendig sein, so werden diese mit dem Patienten geklärt… Nicht so unterschiedlich zur Osteopathie, oder?

Still und Upledger…

Wie A.T. Still, der Begründer der Osteopathie, war Upledger fasziniert von der Wirkweise des Menschen, stellte Fragen zu Gesundheit und Krankheit, anerkannte, dass die Heilung nicht durch den Therapeuten oder sein Handeln, sondern u.a. durch die Verbesserung der Physiologie stattfindet. Neben Unterschiedlichkeiten, die sich alleine schon durch die verschiedenen Epochen ergeben, überwiegen die Gemeinsamkeiten in der grundsätzlichen Betrachtung des Menschen, der Gesundheit und des Therapeuten in seinem Wesen und Wirken.

Euer Gert

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