In Kontakt gehen

Ein paar Worte, die wir in der CranioSacralen Therapie bereits in CST 1 wie selbstverständlich  benutzen. Wir gehen in Kontakt mit unserem Gegenüber, um dann mit ihm zu verschmelzen. Wir gehen in Kontakt mit uns und dann mit dem Patienten im Modell von Therapeut und Patient von Dr. John Upledger. Wir gehen in Kontakt…!

Was bedeutet das für uns? Was tun wir da und wie sieht das in der Praxis aus? Ich glaube, dass es wert ist, vor allem nach den Beiträgen von Friederike Groot Landeweer über das Verschmelzen und der Beitrag von Rene Assink über das Polyvagale System, sich darüber ein paar Gedanken zu machen. Ich habe vor einigen Jahren beim Lesen von Gert Groot Landeweers Buch „Einführung in die CranioSacrale Therapie“ vom Irisiana Verlag dazu eine wunderbare Zusammenfassung über Kontakt gefunden. Und da dieses Buch im Moment leider nicht erhältlich ist, lohnt es sich aus meiner Sicht, diesen Beitrag hier aufleben zu lassen. Wer das Buch von Gert hat, findet diese Zeilen S. 67 unter dem Abschnitt Entspannung und Spannungslösung. Er schreibt dort:

„Um nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen: Ohne das Gefühl von Sicherheit ist Entspannung oder Spannungslösung nicht erreichbar. Was auch immer wir tun möchten um eine Entspannung oder Spannungslösung zu erreichen, Sicherheit, Geborgenheit oder Sich-Gehalten-Fühlen ist die Voraussetzung. Wir müssen dafür sorgen, dass reale Bedrohungen minimiert werden und dass dafür reale sichere Grenzen entstehen. Das geht nicht ohne Kontakt.

Die therapeutische Praxis hat gezeigt, dass es mindestens drei Ebenen gibt, auf der Kontakt eine Rolle spielt:

1. Allein in Kontakt mit sich kommen: Dieser Kontakt kann entstehen, wenn Sie sich Zeit nehmen, die Sie ausschließlich für sich nutzen können. In dieser Zeit haben Sie die Möglichkeit, sich mit Ihren Wahrnehmungen, Gedanken und Ideen, Erinnerungen und Vorstellungen, Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen kennenzulernen. Es ist die Zeit der Innenschau. Sie ist nur möglich, wenn äußere Bedingungen das zulassen, wenn der Alltag keine Handlungen oder Reaktionen von Ihnen verlangt. Im Kontakt mit sich selbst können Sie Sensitivität dafür entwickeln, Ihre Spannungen zu fühlen, sich ihr Ausmaß bewusst zu machen, sie bewusst zu lösen oder ihnen Dehnungen anzubieten, damit sie sich lösen können. Dafür braucht es

  • den Raum im Haus oder in der Natur, der den nötigen Schutz bietet
  • die Sicherheit, nicht oder nur bedingt gestört zu werden,
  • einen liebevollen, verständnisvollen und geduldigen Umgang mit sich selbst.

2. Mit Hilfe anderer in Kontakt mit sich kommen: Diese Form von Kontakt zu sich entsteht dann, wenn jemand anderer Ihnen hilft, den Kontakt nach innen zu intensivieren oder die Konzentration bzw. den Fokus zu verstärken. Die von jemand anderem unterstützte „Innenschau“ kann unterstützt werden durch

  • das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit oder Gehaltensein, das sich schon allein durch die Anwesenheit des anderen ergibt,
  • das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit oder Gehaltensein durch eine behutsame körperliche Berührung durch den anderen
  • das behutsame Unterstützen von Informationen, die in der „Innenschau“ zutage treten – durch mitfühlendes Zuhören, Sicheinfühlen und Nachfragen des anderen

3. Durch Hilfe für andere in Kontakt mit sich kommen: Diese dritte Form von Kontakt ist dann vorhanden, wenn Sie merken, dass durch helfenden oder unterstützenden Kontakt mit anderen ein verbesserter Kontakt mit Ihnen selbst entsteht. Das ist die positive Erfahrung, die Therapeuten mit sich machen. In der Begegnung mit einem Patienten erleben sie die heilende Wirkung von Sicherheit, Geborgenheit, Gehaltenseins, Vertrauen, Empathie und einfachen Dasein. Es ist eine beglückende Erfahrung für jemand anderen einen Raum zu Verfügung stellen zu dürfen, in dem eine heilsame Selbstbegegnung stattfinden kann und wo die Verantwortung für die Heilung nicht bei Ihnen selbst liegt. Sie sind ausschließlich als Begleiter und Zeuge anwesend und sichern für eine begrenzte Zeit den Raum, damit die „Innenschau“ des anderen möglich ist. Dr. Upledger beschreibt, dass dies ermöglicht werden kann durch

  • bedingungslose Anwesenheit oder Präsenz – Aufmerksamkeit, Empathie und Dasein
  • Wertungslosigkeit – nicht die eigenen Normen, Werte und Urteile sind wichtig, sondern die, die der andere fühlt, wahrnimmt der entwickelt,
  • Unparteilichkeit oder Neutralität – egal was in Ihnen hochkommt, bleiben sie neutral, beziehen sie keine Stellung in der Zeit, in der sie für jemand anderen den sicheren Raum zur Verfügung stellen
  • Zurückstellen eigener Interessen in der Zeit geht es nicht um Ihr Interesse, sondern darum, dass der Raum für den anderen zur „Innenschau“ bereitet bleibt. Das eigene Interesse macht ein sicheres und geschütztes Erforschen der inneren Vorgänge des anderen nahezu unmöglich.“

Diesen Zeilen von Gert Groot Landeweer ist nichts mehr hinzuzufügen und waren und sind immer noch für mich äußerst hilfreich. Ich hoffe, dass sie es auch für euch sein können.